Wegerecht – ein kurzer Überblick

von Rechtsanwältin und Notarin Bettina Schmidt

Bei einem Wegerecht handelt es sich um das Recht, über ein anderes Grundstück zu gehen und zu fahren. In der Regel ist das von der Straße aus gesehene hintere Grundstück „gefangen“ und deren Bewohner darauf angewiesen, über das an der Straße gelegene Grundstück zu fahren und zu gehen.

Viele Menschen glauben, ein Wegerecht kann durch Gewohnheitsrecht entstehen, das ist nicht richtig.

Ein Wegerecht kann zwischen den Eigentümern der beiden Grundstücke vertraglich vereinbart werden und es entfällt, wenn einer der Grundstückseigentümer wechselt durch Verkauf oder Erbe. Dann ist der Nacheigentümer nicht mehr an die schuldrechtliche Vereinbarung gebunden. Die Vereinbarung kann in der Regel auch ohne weiteres von einer Partei gekündigt werden.

In unserer Beratungspraxis haben wir es vor allem mit dem Wegerecht zu tun, das durch die Bestellung einer Grunddienstbarkeit entstanden ist. Das bedeutet, das Wegerecht wird im Grundbuch von beiden Grundstücken eingetragen. Wird die Grunddienstbarkeit einmal in das Grundbuch des dienenden Grundstückes eingetragen, dann bleibt das Recht für das herrschende Grundstück auf Dauer bestehen, unabhängig davon, wer der jeweilige Eigentümer der Grundstücke ist.

Streit entsteht oftmals erst nach einem Generationswechsel, weil die neuen Eigentümer keine Kenntnis von dem Umfang eines Wegerechtes haben oder haben wollen. Leider ist der Umfang des Wegerechtes im Grundbuch sehr knapp geregelt und darüber kann dann Streit entstehen.

In wenigen Fällen kann ein Anspruch auf Löschung des Wegerechtes im Grundbuch bestehen und gerichtlich durchgesetzt werden. In allen anderen Fällen muss man sich dann darauf beschränken festzustellen, welche Partei welche Rechte und Pflichten hat.

Es gibt hierzu umfangreiche Rechtsprechung und es ist nicht immer leicht, den Sachverhalt und die Rechtslage aufzuklären. Den Betroffenen hilft die Aufklärung aber in der Regel, besser miteinander auszukommen.

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